Inhalt
Aus dem Kontext erschließen
Oft verrät der Satz drumherum, was ein Wort bedeutet. Ein paar Beispiele:
• Auf der Wortebene: „Sie war sehr müde, deshalb ging sie …” – was fehlt? Wahrscheinlich „schlafen”.
• Auf der Satzebene: „…, obwohl sie müde war, arbeitete sie noch weiter.” – das „obwohl” signalisiert einen Gegensatz.
• Auf der Textebene: „Er hatte es sehr eilig. Der Bus fuhr erst in zwanzig Minuten, deshalb suchte er ein …” – vermutlich „Taxi”.
Dein Weltwissen und die Logik des Satzes helfen dir, die Lücke zu füllen. Diese Ratestrategie ist dieselbe wie die Antizipation beim Hören.
Aus den Wortbausteinen erschließen
Deutsch ist eine „Baukasten-Sprache”. Viele Wörter bestehen aus bekannten Teilen. Wenn du die Bausteine kennst, verstehst du auch neue Wörter:
• Zusammensetzungen: „Haustür” = Haus + Tür. „Sonnenbrille” = Sonne + Brille.
• Vorsilben und Endungen: Wer „arbeiten” kennt, versteht „bearbeiten”, „verarbeiten” oder „Arbeiter” leichter.
Diese Wörter gehören zu deinem „potenziellen Wortschatz”: Wörter, die du nie gelernt hast, aber trotzdem verstehst.
Wann du doch nachschlagen solltest
Erschließen funktioniert nicht immer. Wenn ein Wort für das Verständnis zentral ist und du es partout nicht errätst, schlag es nach. Aber gib dir vorher einen Moment – oft kommst du selbst darauf.
Kurz gesagt
Nicht jedes Wort muss nachgeschlagen werden. Nutze Kontext und Wortbausteine, um Bedeutungen zu erraten. Das macht dich schneller, selbstständiger – und ist gleichzeitig hervorragendes Training.
Dr. Amir Mahdi Meshkin Mehr ist DaF-/DaZ-Wissenschaftler, Hochschuldozent und Gründer der digitalen Lernumgebung Davilo. Er verbindet langjährige Erfahrung im Deutschunterricht mit seiner wissenschaftlichen Arbeit zu digitalem, interaktivem und multimedialem Fremdsprachenlernen.
Vom Lesen zum Sprechen — mit Feedback nach jeder Einheit
In den Davilo-Kursen übst du live mit zertifizierten Lehrkräften: kleine Gruppen, echte Gespräche, klare Rückmeldung zu deinem Niveau.